St. Raphael – Maria Trost

Katholischer Pfarrverband in München

Sehnsuchtsgedeck

Ausstellung in der Unterkirche von St. Raphael

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Herzliche Einladung zur Ausstellung in der Unterkirche von St. Raphael.

Sehnsuchtsgedeck

Zwischen Fernweh und Tafelrunde – Daham is daham.

„Kannst dir gerne ein paar g ́stickte Deckerl aus der Kufern raussuchen, leg ́aber die anderen wieder g ́scheid und einigermassen ordentlich aufeinander!“

Und schon war ich oben im Speicher und wühlte in den textilen Vermächtnissen vergangener Tafelrunden auf der Suche nach Tischdecken, die als Projektionsfläche derzeitiger Entbehrungen dienen könnten. Handarbeit beruhigt in stürmischen Zeiten. Und wenn ich mir dann noch die von Amalia Rodrigues buchstäblich in den höchsten Tönen besungene casa portuguesa vorstelle, bei der jeder, der an die Türe des bescheidenen Häuschens klopft, in geselliger Runde am gedeckten Tisch empfangen wird, ganz ohne sich vorher die Hände zu desinfizieren und sogar noch Umarmungen und Küsse zu erwarten hat, dann wird mir warm ums Herz, und ich sticke und sticke;
komplett systemirrelevant, völlig analog, Haptik-trunken, mit steifem Nacken, auf ein altes Tischtuch, das lange, und mit kleinen Löchern und Flecken beseelt, in der oberpfälzischen Holz-Kufern ruhte und schon viele Kaffeetische und Abendbrote unterlegte.

Und schwelge in Fernweh, während ich, im Lotussitz, wie einst Nam June Paiks TV Buddha alleine vor dem blau flimmernden Bildschirm meditiere und mich nach nichts mehr sehne, als dem billigen Vergnügen in einer leicht verlotterten casa portuguesa - mit goldgereiften Trauben von der ungewaschenen Hand in den Mund.

Sehnen ist aber nicht nur schwelgen, sondern auch warten. Und vielleicht diesmal nicht auf die alte Normalität. Denn diesmal wird es eben nicht so wie es früher eh nie war, sondern nochmal ganz anders. Schrittweise Veränderung auf A5.

 

Carolin Anna Magdalena Wenzel
*1982

Carolin Wenzel studierte an der Kunstakademie München Kunstpädagogik, Bildhauerei und Installation und unterrichtet seit 2012 Kunst am Gymnasium.

Bereits während des Studiums begann sie neben einem Studienaufenthalt in Budapest zahlreiche Reisen zu unternehmen; unter anderem nach Ägypten, Marokko, Usbekistan, Armenien, Georgien, Israel, Japan, Russland, Brasilien, in die USA, die Ukraine, die Türkei, den Iran und nach Niederbayern, die bis heute als Inspiration für ihre verschiedenen bildnerischen Arbeiten dienen.

Von 2015 bis 2017 lebte und arbeitete sie in der Hafenstadt Porto im Nodern Portugals.

In ihren kulissenhaften Installationen greift sie die Poesie von Tankstellen, Motelzimmern, Wirtshausschreinen und anderen Orten der Durchreise, des Kurzaufenthaltes und der Kontemplation auf und sammelt ausserdem die Eindrücke der verschiedenen Exkursionen in analogen und digitalen Skizzenbüchern, Fotografien und Zeichnungen.

Auch die Shutdowns des Jahres 2020 und 2021 hinterließen ihre hausmütterlichen Spuren – und somit verstricken sich die einstigen Fahrtenbücher und Motelschilder in textilen Sehnsuchtsgedecken und Tagebüchern des Daheim-Bleibens.

In diesem Sinne werden Tischtücher aus dem oberpfälzischen Familienfundus mit Motiven aus der Ferne, seien es Beobachtungen auf Reisen oder Begegnungen mit der Kunstgeschichte kombiniert und treten in einen Dialog mit Fotografien, Fernweh und Falschspielern.

Zur Vernissage am Freitag, 24.06.2022 um 19:00 Uhr ergeht herzliche Einladung.

Die Ausstellung kann dann weiterhin vom 25.06. bis 10.08.2022 immer Samstag und Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr besucht werden.

Weitere Infos erhalten Sie unter:

Kulturforum München-West e.V.