St. Raphael – Maria Trost

Katholischer Pfarrverband in München

Geistlicher Impuls

Gedanken zur alttestamentlichen Lesung des 5. Fastensonntags

Lesung aus dem Buch Ezechiel (Ez 37,12b-14)
12bSo spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel.
13Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
14Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus - Spruch des Herrn.

Gerade verkriechen wir uns in die „Gräber“. Wir gehen auf soziale Distanz. Wir lassen das gesellschaftliche Leben fast zum Stillstand kommen. Alle nicht lebensnotwendigen Bereiche werden zurückgefahren. Kultur, Sport, Freizeitveranstaltungen, öffentliches Gemeinschaftsleben, Gottesdienste – findet nicht mehr statt. Alles, um die Corona-Infektionen zu vermindern.

Das macht Angst. Der eine könnte für den anderen zum Gefährder werden, ohne es zu wissen. Es hat für viele Menschen bedrohliche wirtschaftliche Folgen, die der Staat verspricht abzufedern. Das haben wir noch nicht erlebt und wir können uns nicht vorstellen, wie sich die Lage entwickeln wird.

Aber es kommt auf den Geist an, in dem wir der Krise begegnen. Verlangsamen heißt das neue Motto. Das gesellschaftliche Leben verlangsamen, um die Ansteckungswelle zu verlangsamen. In einer neuen Langsamkeit liegen auch viele Chancen.

Langsamkeit kann

  • neue Aufmerksamkeit ermöglichen für den Mitmenschen, für die Natur, für den Augenblick.
  • Zeit schenken für vieles, für das vorher immer keine Zeit war.
  • uns zu uns selbst zurückführen, zu unseren Gefühlen und Gedanken und zu Gott, der mit uns ist.

Das neue Virus konfrontiert uns mit unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit. Niemand ist vor ihm sicher. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. So etwas haben wir fast schon erfolgreich verdrängt. Aber vielleicht bringt uns diese Krise gerade in einem neuen Gemeinschaftsgeist näher zusammen, wenn wir Verantwortung füreinander übernehmen, wenn wir einander in Krankheit, im Leiden und sogar im Sterben beistehen.

Peter Jaumann, Pastoralreferent

 

Die vollständigen Texte der Tageslesungen mit Kommentar finden Sie hier: