St. Raphael – Maria Trost

Katholischer Pfarrverband in München

Pfarrkirche St. Raphael

 

Der damals junge Architekt Hans Döllgast konnte in den Jahren 1931 bis 1934 auf Grund von Wettbewerbserfolgen vier Kirchen in München bauen.
Neben St. Heinrich in Sendling, St. Peter und Paul in Kirchtrudering und Heilig Blut in Bogenhausen ist St. Raphael fast unverändert erhalten und von Kriegszerstörung und nachträglichen Umbauten größtenteils verschont geblieben.

Döllgasts Kirchen in dieser Zeit folgen alle einem einheitlichen Schema, das sich am Typ der frühchristlichen Basilika orientiert. Der schlichte Baukörper mit Satteldach erhielt einen hölzernen Dachreiter versehen, der 1960 durch einen hohen Glockenturm nach den Plänen Döllgasts ersetzt wurde.

Im Innenraum überspannt eine flache Holzdecke den längsorientierten Saalraum mit axialer sakraler Anordnung, ein Chorbogen trennt den hellerleuchteten Altarraum vom Gemeindebereich.

Da seit der Zeit des Baus immer wieder Veränderungen im Innenraum vorgenommen wurden, galten seit 1997 gemeinsame Anstrengungen von Ordinariat und Pfarrgemeinde einer schrittweise Rückführung des Bestandes zu seiner ursprünglichen Qualität.
Gleichzeitig verlangten liturgische Vorgaben eine Neuordnung des Altarbereichs: Volksaltar und Ambo antworten auf die vorgegebene Bescheidenheit in Form und Material und ordnen sich der Sprache Döllgasts unter. Mit der Innenraumrenovierung im Jahr 2005 ist dieses Projekt abgeschlossen.

Die Fassade und Außenanlagen, die im Laufe der Zeit ebenfalls Änderungen erfahren haben, sollen in weiteren Bauabschnitten wieder im Sinne Döllgasts neu geordnet werden.

(Text von Michael Gaenssler, erschienen im Pfarrbrief St. Raphael, Ostern 2006) 

Innenraum St. Raphael

Einzelheiten und Details 

Vom Architekten selbst stammt der Entwurf des Tabernakel, gefertigt von der Fa. Ehrenböck, München (Ende 1932). 

Tabernakel auf dem Hochaltar

 

Das Hochaltarbild (Mittelteil) wurde von Albert Burkart (1934) erdacht und geschaffen, aber erst 1966 vollendet (mit Neugestaltung des Mittelteils). Seit damals existieren auch die zwei Ansichten des Hochaltarbildes: "Weihnachten" (für die Zeit des Weihnachtsfestkreises) und "Ostern" (für die Osterzeit und die Zeit des Jahreskreises).

Altarbild (Osteransicht)
Altarbild (Weihnachtsansicht)

 

 

Alle sechs bemalten Glasfenster stammen von Günther Graßmann. Das mittlere Fenster auf der Südseite wurde 1934 gestiftet von der sozialen Eigenheim-Siedlung Neulustheim; die beiden anderen entstanden 1946 und 1948, die drei Fenster auf der Nordseite 1958.

Glasfenster; "Tobit und der Fisch"

 

Für den Marienaltar auf der rechten Seite der Kirche wurde 1935 die vom Künstler Carl Bauer gestaltete Schutzmantelmadonna von der Marianischen Männerkongregation gestiftet.

Schutzmantelmadonna

 

1957 wurde die Kirche um eine hölzerne Figur des Erzengels Raphael ergänzt. Künstler war Josef Gollwitzer.

Raphaelsfigur

 

Zahlreiche weitere Elemente der Innenausstattung wurden vom Architekten mit viel Liebe zum Detail geplant und gefertigt.

Glocke mit Kreuzen an der Tür zur Sakristei
Weihekreuz mit Apostelleuchter

 

 

Turm und Glocken

Anlässlich des 25-jährigen Weihejubiläums (1957) wurde mit den Planungen zum Bau des Kirchturms begonnen. Die Pläne dazu stammen ebenfalls aus der Feder Döllgasts, so dass sich der Turm harmonisch ins Esemble integriert. Der erste Spatenstich erfolgte am 18.10.1959, Richtfest war bereits kurze Zeit später, am 18.12.1959.
Anlässlich des Kirchturmbaus wurden auch fünf neue Glocken mit elektrischem Schlag- und Läutwerk gestiftet und am 03.05.1960 von der Gießerei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen. Dabei wurde die noch verbliebene Patrona-Bavariae-Glocke aus dem ersten Geläut eingeschmolzen.
Das Geläute besteht aus fünf Bronzeglocken:

  • I.) Dreifaltigkeitsglocke: 2200 kg, Ton c’ -1, 1600 mm Durchmesser (Inschrift: "Die Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geist! Im Jahre des Heiles 1960 zum 37. Eucharistischen Weltkongreß "Pro mundi vita" in München wurde dieses Geläute von der Pfarrgemeinde St. Raphael gestiftet und von Karl Czudnochowsky Erding gegossen")
  • II.) Christkönigsglocke: 1250 kg, es’ +3, 1300 mm Durchmesser(Inschrift: "Dem Eucharistischen König Jesus Christus, dem alles lebt!")
  • III.) St.-Raphaelsglocke: 880 kg, f’ +3, 1100 mm Durchmesser (Inschrift: "St. Raphael geleite uns!")
  • IV.) Marienglocke: 450 kg, as’ +3, 900 mm Durchmesser (Inschrift:"Ave Maria! Das Lob der Patronin Bayerns läute ich, zum täglichen Gebet rufe ich!")
  • V.) Seelenglocke: 230 kg, c’’ +2, 750 mm Durchmesser (Inschrift: "Herr, gib den Seelen die ewige Ruhe!")

Die Glocken hängen an geraden Jochen in einem zweistöckigen Stahlglockenstuhl, die beiden großen Glocken auf der unteren Ebene, die drei kleinen im oberen Bereich direkt unter der Turmplattform. Die Glocken werden natürlich nicht mehr per Hand geläutet - ein elektrisches Läutwerk mit Rechnersteuerung übernimmt diese Arbeit. Trotzdem kann man "manuell" eingreifen und die Glocken an einem Schaltpult in der Sakristei ein- und wieder ausschalten. Darüber hinaus existiert an den großen Glocken ein sog. Schlagwerk, das die Glocken zu jeder viertel- und ganzen Stunde von außen anschlägt.

Damit besitzt St. Raphael ein relativ groß dimensioniertes Geläute, das eine Fülle von Einzelmotiven zu verschiedenen liturgischen Anlässen ermöglicht.

Ein Video unserer Glocken sehen Sie hier: